Allgemeine Informationen

Allgemeine Informationen

Der Schulverein Komenský, das sind private bilinguale Schuleinrichtungen mit Öffentlichkeitsrecht: Kindergarten, Volksschule und Realgymnasium. An unseren Schulen werden Kinder von 2 bis 18 Jahren Tschechisch/Slowakisch und Deutsch unterrichtet, ganz nach unserem Motto "Zweisprachig vom Kindergarten bis zur Matura".

Anzahl der Klassen und Schülern in diesem Schuljahr:

  • Kindergarten:                       6 Gruppen = 113 Kinder
  • Volksschule:                         9 Klassen = 183 Schülern
  • Wiener Mittelschule:            6 Klassen = 119 Schülern
  • Oberstufenrealgymnasium: 4 Klassen = 69 Schülern

Die Schulen befinden sich in zwei Gebäuden im dritten Wiener Gemeindebezirk: Sebastianplatz 3 (Kindergarten, Volksschule, Büro des Schulvereines Komenský) und Schützengasse 31 (Wiener Mittelschule und Oberstufenrealgymnasium). Das Gebäude in der Schützengasse wurde in den Jahren 2010-2012 generalsaniert und modernisiert.

Betriebszeiten:

  • Kindergarten:                  Mo-Do: 7:30-17:30 Uhr; Fr: 7:30-17:00 Uhr
  • Nachmittagsbetreuung: Mo-Do:  bis 17:30 Uhr; Fr: bis 17:00 Uhr
  • Schulgebäude:                Mo-Fr   während des Schulbetriebs
  • Kanzlei des Schulvereines
    Sebastianplatz:                Mo-Fr: 7:30-10:00 Uhr; Mi 14:00 - 17:30 Uhr, Ferienbetrieb Mo-Fr: 8:00 - 10:00 Uhr
    Schützengasse:               Mo-Fr: 8:00-10:00 Uhr, Ferien/geschlossen

Leitbild

Denn weise hat der gesprochen, welcher sagte,
die Schulen seien Werkstätten der Menschlichkeit,
indem sie eben bewirken,
dass der Mensch wirklich Mensch werde.

So viele Sprachen du kannst, so oft bist du Mensch.

Jan Amos Comenius, Didactica Magna

Der Schulverein Komensky ist ein privater Schulerhalter in der Tradition der humanistischen Lebensgestaltung im Sinne des großen Pädagogen Johann Amos Komensky (Comenius). Die schola ludus, die Schule als spielerische Vorbereitung auf das Leben, mit verbindlichen Regeln und diszipliniertem, verantwortungsbewusstem Umgang aller mit allen und allem ist die Basis für engagiertes Lehren und Lernen.

Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler in ihren Interessen besonders und umfassend vor allem in der Zweisprachigkeit fördern und sie zu selbstständigen, kritischen und verantwortungsbewussten jungen Menschen erziehen. Im Unterricht legen wir großen Wert auf die individuelle Förderung intellektueller, geistiger, künstlerischer, musischer und sportlicher Fähigkeiten.

Unsere Erziehungsziele sind:

  • Lebensnahe, ganzheitliche zweisprachige Erziehung in vertrauter Atmosphäre
  • Persönlichkeitsbildung und Stärkung der Sozialkompetenz
  • gelebte Gemeinschaft auf der Grundlage einer dazu notwendigen Individualität
  • Kultur der Anerkennung und Wertschätzung

Durch eine gute Atmosphäre fördern wir das Wohlbefinden aller an der Schule Beteiligten. Wir bekennen uns zu einer gelebten Schulpartnerschaft und binden Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung des Schullebens ein.

Statuten

Zweck des Schulvereines Komensky ist Errichtung, Erhaltung und Unterstützung von Kindergärten, Horten, Volks- und Hauptschulen resp. Sekundarschulen, Mittelschulen, Fach- und Sprachschulen in Österreich mit tschechischer, slowakischer und deutscher Unterrichtssprache. Diese Maßnahmen erfolgen im Einklang mit geltenden österreichischen Rechts- und Schulvorschriften.


Geschichte

In der Zeitgeschichte haben die tschechischen Schulen in Wien eine interessante Entwicklung durchgemacht. Die ganze Periode kann man in vier Phasen, die sehr stark von den äußeren politischen Ereignissen bestimmt wurden, zusammenfassen:

1. Phase

Eine Gründung des Schulvereins Komensky im Jahr 1872 wurde der Schlüsselmoment in der Geschichte der tschechischen Schulen und diente vor allem zur Erhaltung der tschechischen Sprache und Kultur in der Volksgruppe. Die finanzielle Unterstützung kam einerseits von den vielen in Wien seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden Kulturvereinen (der Slawische Geselligkeitsverein - Slovanská beseda, der akademische Verein, die Gesangsvereine Lumír und Slavoj), andererseits von einzelnen Personen oder Institutionen in Böhmen oder Mähren, die tschechische Minderheiten im Ausland unterstützten (Ústřední matice školská, Národní rada česká). Das wichtigste Anliegen der tschechischen Arbeiter war es, ihren Kindern eine Ausbildung in der tschechischen Sprache zu ermöglichen und ihnen die tschechische Kultur, die Lieder und Bräuche zu vermitteln. Im Jahre 1883 wurde an der Quellenstraße 72 im 10. Bezirk Wiens die erste private Komensky-Volksschule mit 70 Erstklässlern eröffnet. In nur zehn Jahren kamen rund 230.000 weitere Tschechen und Slowaken nach Wien, vor allem Arbeiter, die in der Industrie tätig waren. 1889 hatte die Schule 7 Klassen und es wurde bereits Geld für das nächste Schulgebäude gesammelt.

2. Phase

Im Jahre 1932 gab es wienweit 17 eigene Kindergärten, 15 tschechische Privatschulen (6 Volksschulen, 6 Hauptschulen, 1 Realgymnasium, 1 Realschule, 1 Handelsschule), alle mit Öffentlichkeitsrecht. Etwa 4000 Schüler wurden täglich mit den Bussen aus ganz Wien und den umliegenden Gemeinden in die Schulen gebracht. Im Jahre 1934/35 wurde das Schulgebäude im 3. Bezirk am Sebastianplatz 3 ("Škola Dr. Jiljího Jahna"; Gedenktafel für Jan Amos Comenius), das noch heute die tschechische Schule beherbergt, gebaut. Das nächste für die Geschichte der tschechischen Schulen wichtige Gebäude, das heute noch als Schule dient, steht ebenfalls im 3. Wiener Bezirk, in der Schützengasse 31.

Der Austrofaschismus und das NS-Regime hatten tiefgreifende Folgen für die tschechische Minderheit. Der Druck wurde immer größer; unmittelbar nach dem Anschluss 1938 und der Machtübernahme durch die NSDAP hatte der Schulverein 50 "nicht-arische" Angestellte entlassen. Viele Schulen wurden auf Anordnung der Behörden geschlossen und die Gebäude den NS-Organisationen überlassen. Binnen zwei Jahren wurden alle öffentlichen tschechischen Schulen geschlossen. Die Nationalsozialisten lösten den Verein am 16. Februar 1942 auf, beschlagnahmten sein Vermögen und funktionierten die Schulgebäude zu Militäreinrichtungen und Lazaretten um; einige Schulen wurden während der Bombenangriffe auf Wien zerstört.

3. Phase

Während sich der Komensky-Verein um die Aufrechterhaltung des kulturellen Lebens der tschechischen Volksgruppe bemühte, warb die Regierung unter Edvard Beneš für die Rückkehr der Tschechen und Slowaken aus Österreich in die neu gegründete Tschechoslowakische Republik. Dieser Aufruf, bessere wirtschaftliche Bedingungen in der Tschechoslowakischen Republik und die Kriegserlebnisse hatten zu Folge, dass eine große Ausreisewelle der Wiener Tschechen in die Tschechoslowakei einsetzte, die Zahl der Schulen nahm kontinuierlich ab. (Wolf, W., 2013, S. 182).

Im Zuge des Prager Frühlings 1968 nahm die Zahl der Schüler kurzfristig zu und sank in den achtziger Jahren wieder bis auf 120 ab. Seit 1964 betrieb der Schulverein Komensky nur noch eine Schule in Wien, bei der Volkszählung des Jahres 1971 bekannten sich nur mehr 8.000 Personen zur tschechischen Sprachgruppe. Der Weiterbestand der Schule, die nur rund 120 Schüler zählte, hing deshalb jahrelang an einem seidenen Faden.

4. Phase

Die Neuorientierung des Schulvereins ermöglichten erst die politische Wende und die Grenzöffnung 1989. Die Schülerzahlen nahmen seitdem kontinuierlich rasant zu. Das gesamte tschechischsprachige Schulwesen in Wien konzentrierte sich im Gebäude am Sebastianplatz 3. Hier wurde auch im Jahr 2000 das Oberstufenrealgymnasium des Schulvereins Komensky gegründet und im Jahr 2004 konnten erstmals seit 1942 wieder Schüler der Komensky-Schule, die mittlerweile von mehr als 300 Kindern und Jugendlichen besucht wurde, zur Reifeprüfung antreten. Nachdem die Schülerzahlen kontinuierlich anstiegen, brauchte der Schulverein Komensky ein neues Gebäude für das Oberstufenrealgymnasium. Aufgrund seiner Geschichte wurde dafür die Schützengasse 31 ausgewählt und im September 2006 der Schulbetrieb dort wieder aufgenommen.

Die Komensky-Schule wird heute als zweisprachig Tschechisch/Slowakisch-Deutsch unterrichtende Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht geführt. Die Schulen am Sebastianplatz und in der Schützengasse sind heute die einzigen verbliebenen aus der ehemals großen Zahl tschechischer Schulen in Wien. Das Gebäude am Sebastianplatz beherbergt einen Kindergarten und eine Volksschule sowie das Büro des Schulvereins Komensky. Die Wiener Mittelschule und das Oberstufengymnasium sind ins Gebäude in der Schützengasse übergesiedelt, das von 2010 bis 2015 kernsaniert wurde.

Bedeutende Persönlichkeiten, die die tschechischen Schulen besuchten, waren unter anderem Ferdinand Lacina - Finanzminister a. D. (1986-1995), Karl Schwarzenberg - Außenminister der Tschechischen Republik a. D. (2007-2009, 2010-2013), oder Božena Vavrečková, Mutter von Václav Havel.